Bundeshaus-Blog
Die zweite Woche, erster Tag (19. 6.)
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In der zweiten Woche der Herbstsession ist bereits jetzt schon alles auf den Mittwochnachmittag fokussiert: Dann geht es um die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative. Hält der Kompromiss, den die Staatspolitische Kommission des Nationalrates ausgearbeitet hat? Steht wirklich noch die Mehrheit hinter dem „Inländervorrang light“? Die CVP hat letzte Woche bekannt gegeben, dass sie nun doch eine Lösung mit Kontigenten bevorzugt. Es hängt also von der FDP ab. Wie geschlossen werden ihre Mitglieder abstimmen? Es wird eifrig spekuliert und diskutiert in der Wandelhalle. Wir wissen es erst am Mittwochabend, die Sitzung wird „open end“ geführt...
Der Nationalrat ist heute leider am Ständerat gefolgt und hat sich für die Abschaffung der Hundekurse ausgesprochen. Ich bedaure das, hätte ich die Lösung der Bildungskommission, welche Kurse für Erst-Hundehalter weiterhin für obligatorisch erklären wollte, vernünftig gefunden. Schliesslich kann ich mich noch gut an die heftigen und teils emotionalen Debatten im Kantonsrat erinnern nach dem tragischen Tode eines Jungen aus Oberglatt nach Pitbull-Attacken. Über 70 % der HundehalterInnen befürworten übrigens ein Hundekurs-Obligatorium. Ich bin sicher, dass diese Kurse ihren Nutzen hatten, nun werden sie abgeschafft, schade...
Heute habe ich auch erfahren, dass meine Motion, welche einen sofortigen Stopp von Kriegsmaterial an die in den Jemen-Konflikt involvierten Länder verlangt, vom Bundesrat abgelehnt wurde. Dies war leider zu erwarten, obwohl die Beantwortung im Bundesrat anscheinend nochmals zu grossen Auseinandersetzungen zwischen EDA und WBF geführt haben soll. Ich bin immer noch der Ansicht, dass ein sofortiger Stopp aus humanitären Gründen dringend nötig wäre, da sich der Konflikt in Jemen bis in den Süden von Saudi-Arabien ausgeweitet hat und so die Kriegsmaterialverordnung klar verletzt wird. Wir bleiben auf alle Fälle dran!
Am Abend gehe ich bewusst an keine Veranstaltung. Ich muss nochmals meine Voten für morgen überarbeiten. Morgen steht nämlich die Armeebotschaft 2016 mit dem Rüstungsprogramm auf der Traktandenliste. Ich darf das Fraktionsvotum halten, bin schon etwas nervös...
Die erste Woche, vierter Tag (15. 9.)
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Der erste Teil des Morgens ist heute hocherfreulich: Der Nationalrat erhöht die Beiträge für Bildung, Forschung und Innovation um insgesamt 435 Mio. und folgt so dem Ständerat. Geld, das für auch wirklich dingend für die Berufsausbildung, Hochschulen und Forschung gebraucht wird. Ist zwar langsam etwas abgedroschen, ist aber deswegen nicht weniger wahr: Bildung ist der einzige Rohstoff, den die Schweiz hat!
Danach folgt wieder einmal mehr eine typische Landwirtschafts-Debatte mit den üblichen Argumenten und Fronten. Bei den Bundesfinanzen wird an allen Ecken und Enden gespart, zum Teil unverantwortlich, wie zum Beispiel in der Bildung (das wurde vorhin ja zum Glück wieder etwas verbessert) und der Entwicklungshilfe. Nur an zwei Orten ist sparen immer noch ein Tabu: bei der Armee und bei der Landwirtschaft. Der landwirtschaftliche Zahlungsrahmen wir dank der starken Bauern-Lobby um über eine halbe Milliarde erhöht. Es ist unglaublich...
Damit ist die erste Sessionswoche bereits wieder Geschichte und es geht es erst mal nach Hause. Freue mich wahnsinnig auf meine Familie!
Die erste Woche, dritter Tag (14. 9.)
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Der Morgen hat es heute in sich: Es stehen Änderungen im Ausländergesetz auf der Traktandenliste, konkret geht es ums Thema Integration. Die Staatspolitische Kommission des Nationalrats hat die Vorlage total inakzeptabel gemacht hat, indem sie den Familiennachzug für vorläufig Aufgenommene aus dem Gesetz gestrichen hat. Zum Glück kommt es anders: Der Nationalrat folgt der Kommission in dieser Frage nicht. Die „rote Linie“ bezüglich Menschlichkeit und Anstand wird also nicht überschritten. So kann die Linke dem Gesetz zustimmen, auch wenn es zahlreiche Verschärfungen beinhaltet und wir ein paar Kröten schlucken müssen.
Am Nachmittag geht es um ein sagenumwobenes Wildtier: den Wolf. Der Nationalrat folgt leider einer Standesinitiative des Kantons Wallis, welche den Wolf dem Abschuss freigeben und die Berner Konvention kündigen will. Die SP-Fraktion mit einer Silva Semadeni in Fahrt wehrt sich dagegen. Besser ist es, den Herdenschutz konsequent zu befolgen und ein nachhaltiges Zusammenleben zwischen Wildtier und Mensch zu fördern. Nach dem Trauerspiel beim Höckerschwan habe ich keine Hoffnung, dass es dem Wolf besser ergehen wird. So ist es dann auch. Jetzt hoffe ich – einmal mehr – auf den Ständerat.
Nach der Sitzung probt die Bundeshaus-Band. Dieses Mal ist es aber eine sehr spezielle Probe: Wir machen Fernsehaufnahmen mit Viktor Giacobbo für die Satiresendung Giacobbo/Müller. Das ist ein einmaliges Erlebnis!
Die erste Woche, zweiter Tag (13. 9.)
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Heute habe ich das Gefühl, dass ich schon wieder ewig in Bern bin. Kaum zu glauben, dass es erst der zweite Sessionstag ist. Es läuft so vieles auf diversen Ebenen, da habe ich jeweils ziemlich Mühe, den Überblick zu bewahren. Aber ich merke auch, dass ich schon viel routinierter bin. Viele Abläufe verstehe ich zwar immer noch nicht à fond, aber es beruhigt mich, dass dies auch erfahrenen Bundes-ParlamentarierInnen so ergeht. Immerhin habe ich jetzt eine viel klarer Vorstellung davon, was meine Themen sind und wo ich mich einbringen kann.
Mein persönliches „Highlight“ ist heute der Besuch meines Mentees. Es macht mir sehr Spass, ihr den Bundesbetrieb zu zeigen und ihn ihr näher zu bringen können. Vor allem auch, weil sie eine äusserst interessierte und clevere junge Frau ist.
Der Nationalrat widersetzt sich heute dem Ständerat bei der erleichterten Einbürgerung der AusländerInnen der dritten Generation. Der Ständerat will, dass man auch noch Papiere der Grosseltern als schriftlicher Beweis beim Gesuch um erleichterte Einbürgerung vorweisen muss. Wer bitte hat noch die Papiere der Grosseltern im Sekretär? Also ich nicht. Ich hoffe nun, dass diese Schikane beseitigt wird!
HERBSTSESSION, die erste Woche, erster Tag (12. 9.)
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Die Sommerpause war lange und hat gut getan, aber jetzt wird es wirklich wieder Zeit für eine weitere Session! Folgende Geschäfte werden in diesen drei Wochen wohl am meisten zu reden geben: Begonnen wird heute mit der Energiestrategie 2050. In der zweiten Sessionswoche wird das Ausländergesetz mit der Steuerung der Zuwanderung, also die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative, wohl für viele Schlagzeilen sorgen. Aber auch die letzte Woche wird es in sich haben: Wir werden die ganze Woche die Altersreform 2020 beraten, bin sehr gespannt auf den Ausgang...
Bei der Differenzbereinigung zur Energiestrategie 2050 sorgen Albert Röstis implodierende Atomkraftwerke für Gesprächsstoff. Eine – sagen wir einmal – nicht wirklich ausgereifte Technologie, die uns davon überzeigen sollte, doch weiterhin in die Kernenergie zu investieren. Aber es bleibt zum Glück dabei: Neue AKW sollen keine mehr gebaut werden. Ansonsten geht die Energiestrategie nun leider nicht so weit, wie ich mir das gewünscht hätte, ein gut schweizerischer Kompromiss halt. Aber immerhin ist sie besser als der Status Quo und ein Schritt in die richtige Richtung.
Am Nachmittag kommt die Zürcher Kantonsratsfraktion zu Besuch. Nach der Parlamentssitzung gibt es ein gemeinsames Nachtessen mit der Zürcher Nationalrats-Delegation. Es ist ein sehr schöner Abend, alle sind gut gelaunt. Und ich merke, dass ich meine ehemaligen „Gschpänli“ aus dem Kantonsrat schon etwas vermisse...
Die dritte Woche, letzter Tag (17. 6.)
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Der letzte Tag der Sommersession (wobei „Sommer“ also sehr euphemistisch ausgedrückt ist...). Es stehen die Schlussabstimmungen auf der Traktandenliste. Wie zu erwarten wird die Unternehmenssteuerreform III angenommen, links-grün stimmt dagegen. Die SP hat ja bereits das Referendum ergriffen, denn bei dieser Vorlage wurde nun das Fuder nun wirklich überladen: Zu viele Steuerausfälle bei viel zu wenig Gegenfinanzierung. Das Volk soll entscheiden!
Dem Kroatien-Protokoll wird in der Schlussabstimmung auch zugestimmt. Darüber bin ich wiederum sehr froh und hoffe, dass wir den Zug für das Forschungsprogramm „Horizon 2020“ noch schaffen!
Die nächste Session ist erst wieder im September, für die Kommissions- und auch andere Sitzungen bin ich bis dahin aber doch noch ab und zu in Bern. Und jetzt freue ich mich ganz extrem fest auf meine Familie!
Die dritte Woche, vierter Tag (16. 6.)
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Die Einigungskonferenz hat sich beim Kroatien-Protokoll tatsächlich einigen können. Das Freizügigkeitsabkommen mit Kroatien soll unterzeichnet werden, „wenn eine mit der schweizerischen Rechtordnung vereinbare Regelung zur Steuerung der Zuwanderung besteht.“ Ich hoffe einfach, dass dies auf der Zeitachse für Horizon 2020 noch reicht...
Dann wird über eine Ergänzung im Umweltschutzgesetz diskutiert, mit welcher Ordnungsbussen gegen Littering in Zukunft national festgeschrieben und geregelt werden sollen. Die SP-Fraktion ist gespalten in dieser Frage. Niemand von uns glaubt an die Wirksamkeit reiner Repression, aber ein Teil der Fraktion sieht in Ordnungsbussen eine mögliche Massnahme eines ganzen Pakets zur Bekämpfung des Litterings. Der kleiner Teil der Fraktion glaubt nicht an die Wirkung von Bussen, weil ein solches Bussensystem gar nicht effektiv vollzogen werden könnte. Ich gehöre zu dieser Gruppe. Die Krux ist nämlich, dass man nur Leute gegen Littering büssen kann, wenn die Polizei (und nicht irgendein/e BürgerIn!) sie „in flagranti“ ertappt. Das ist nur sehr selten der Fall, ausser man rüstet den Polizeiapparat massiv auf. Da fehlen in den Gemeinden aber die Ressourcen und die Prioritäten müssen zwangsläufig anders gesetzt werden. Ich habe einfach etwas gegen Gesetze und Vorschriften, von denen man von Anfang an weiss, dass man sie nicht vollziehen kann. Zudem können die Gemeinden heute schon einen Littering-Bussenkatalog in ihre Polizeiverordnung schreiben, das muss nicht vom Bund übersteuert werden. Unbestritten ist für mich aber, dass man weiterhin viel Effort im Bereich Prävention und Aufklärung gegen das Littering betreiben soll! Der Nationalrat tritt schliesslich nicht auf die Vorlage ein, nationale Littering-Bussen sind vorerst vom Tisch.
Am Abend isst die ganze Fraktion zusammen, das ist eine schöne Tradition für den letzten Sessionsabend in Bern. Die Stimmung ist hervorragend, aber müde sind wir langsam alle sehr...
Die dritte Woche, dritter Tag (15. 6.)
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Bevor es zum grossen Geschäft des heutigen Tages geht, dem NAF, stimmt der Nationalrat einer Motion aus der Sicherheitspolitischen Kommission zu, welche verlangt, dass bei der Armee 2017 weiterhin gleich viel Geld in das Rüstungsprogramm gesteckt werden soll, obwohl Bodluv sisitiert wurde. Ich muss nicht speziell betonen, dass ich dezidiert gegen diesen Antrag bin. Vor allem auch, weil es gar keine beschaffungsreife Projekte gibt.
Und dann beginnen die Beratungen zum NAF, also zum Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrs-Fonds. Damit soll die Finanzierung der Bundesbeiträge für Aggloprogramme und Nationalstrassen gesichert und die Engpassbeseitigung etappenweise realisiert werden. Der NAF gilt unbefristet und wird in der Verfassung verankert. Die Beratungen dauern fast den ganzen Tag an, und es ist zuweilen ziemlich schwierig, bei all den Minderheitsanträgen noch den Überblick zu behalten. Der erste Block, in diesem geht es um die Art der Finanzierung, entspricht leider nicht mehr unseren Vorstellungen: Zuviel Geld wird von der Staatskasse abgezweigt (in dem nämlich der Anteil der Mineralölsteuer für den Strassenverkehr erhöht wird), zu wenig nach dem Verursacherprinzip erhoben. Im zweiten Block geht es um die Aggloprogramme, deren Finanzierung nun zum Glück gesichert ist. Gerade für meine Region von enormer Wichtigkeit! Darum können wir der Gesamtvorlage dann am Schluss auch zustimmen.
Die dritte Woche, dritter Tag (14. 6.)
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Und schon wieder heisst es auf der Traktandenliste Unternehmenssteuerreform III. Der Nationalrat folgt den Anträgen aus dem Ständerat. Zum Beispiel soll die zinsbereinigte Gewinnsteuer nun eingeführt werden, allerdings nur, wenn diejenigen Kantone gleichzeitig eine Teilbesteuerung der Dividenden von mindestens 60% vorsehen. Abgesehen davon, dass diese Verquickung rechtlich mehr als fraglich ist, reicht diese Gegenfinanzierung beileibe nicht aus, um die zukünftigen grossen Steuerausfälle zu kompensieren. Auch wurde der Kantonsanteil der direkten Bundessteuer von 20,5% auf 21,2% erhöht. Das ist zwar schön für die Kantone, hinterlässt aber ein weiteres Loch in der Bundeskasse. Das werden RentnerInnen, öV-BenützerInnen, Familien etc. zu spüren bekommen, weil das Geld anderswo wieder eingespart werden muss. Das Gesamtpaket ist nicht wie im Vorfeld versprochen austardiert, sondern provoziert Steuerausfälle von weit über 1 Milliarde Franken. Dazu kann die SP nicht Ja sagen und ergreift nun definitiv das Referendum!
Nachher geht es ein weiteres Mal um die Ausdehnung der Personenfreizügigkeit auf Kroatien und die damit verbundene Teilnahme am Forschungsprogramm Horizon 2020. Zur Zeit besteht eine Differenz zum Ständerat, welcher das Abkommen nur unterzeichnet haben möchte, wenn eine Lösung mit der EU gefunden wird, wie die Steuerung der Zuwanderung geregelt werden kann im Einklang mit der schweizerischen Rechtsordnung. Der Nationalrat hält aber an seiner Version ohne Bedingung fest, die SP enthält sich der Stimme. Für uns ist es enorm wichtig, dass auf alle Fälle eine Lösung gefunden wird. Selbstverständlich lieber das Abkommen unterzeichnen ohne Bedingung, falls das aber der einzig mehrheitsfähige Weg ist, werden wir im Sinne eines Kompromisses halt auch diesen einschlagen.
Die Fraktionssitzung am Nachmittag verlasse ich etwas früher, damit ich rechtzeitig am Elternabend für alle Erstklässler-Eltern teilnehmen kann. Das ist mir sehr wichtig. Spät am Abend kehre ich wieder nach Bern zurück, am nächsten Morgen werde ich froh darüber sein ;-)!
Die dritte Woche, erster Tag (13. 6.)
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Die letzte Sessionswoche hat begonnen. Ich merke, dass ich doch langsam müde bin. Aber in dieser Woche wird noch viel Wichtiges beraten, wie der Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrs-Fonds (NAF) oder die Differenzbereinigung zur Unternehmenssteuerreform III!
Der Nationalrat beschliesst, das Moratorium für die Ausfuhr abgebrannter Brennelemente zur Wiederaufarbeitung zu verlängern. Ein Nicht-Eintretens-Antrag der SVP hat keine Chance. Leider können sich die Verfechter der Kernenergie dann doch noch durchsetzen: Das Moratorium wird nur für vier statt für zehn Jahre erteilt. Kernenergie ist und bleibt aber eine Technologie der Vergangenheit, das Transportieren und Aufbereiten der radioaktiven Brennelemente bleibt weiterhin sehr gefährlich. Das wird sich weder in vier noch in zehn Jahren ändern... Zudem gibt es kaum noch Aufbereitungsanlagen. Und man kann es schon ahnen: Wieder einmal hoffen wir auf die Vernunft der StänderätInnen, welche die Vorlage morgen beraten.
Die zweite Woche, vierter Tag (9. 6.)
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Heute habe ich ausnahmsweise zu Hause übernachtet, schliesslich waren wir mit unserem Fraktionsausflug nach Zürich ja ganz in der Nähe. Heute Morgen habe ich es aber fast etwas bereut: Es heisst für aufstehen, wenn man um 8 Uhr im Bundeshaus sein will...
Die Beratungen zur Botschaft zur „Bildung, Forschung und Innovation“ dauern den ganzen Morgen an. Es handelt sich hier um einen Rahmenkredit für die Jahre 2017 – 2020. Bildung ist unser wichtigstes Gut, sozusagen unser einziger Rohstoff. Das hat auch die Bildungskommission des Nationalrats so eingeschätzt und den Vorschlag des Bundesrates von 2 % jährlichen Wachstums des BFI-Kredits auf 3,2% erhöht. Damit würden für Bildung und Forschung 27 Mio. statt 26 Mio. zu Verfügung stehen, für die ETH von immenser Wichtigkeit. Leider sah das die Mehrheit des Nationalrates nicht so und entschied sich für die Spar-Version des Bundesrates. Und wieder einmal heisst es nun, auf den Ständerat hoffen...
Auch die zweite Sessionswoche ist schon wieder ruck-zuck vorbei. Ich habe das Gefühl, ich habe kaum einmal ein- und ausgeatmet!
Die zweite Woche, dritter Tag (8. 6.)
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Heute ärgere ich mich über einen Tagi-Artikel zur Unternehmenssteuerreform III. Der SP wird vorgeworfen, dass sie die Vorlage gezielt verschlechtere, weil sie sich beim „Placebo-Gemeindeartikel“ der Stimme enthalten hat. Besonders die Exekutiv-VertreterInnen in der Fraktion werden an den Pranger gestellt, also auch ich. Es betrübt mich etwas, dass ausgerechnet der Tagi die Realitäten so verzerrt darstellt: Verschlechtert haben die Vorlage die Bürgerlichen, die hemmungslos noch weitere Steuererleichterungen in die Vorlage hineingepackt haben ohne jegliche Gegenfinanzierung. Das wird den Gemeinden und Kantonen dramatisch Steuersubstrat entziehen und das ist der eigentliche Skandal! Der wirkungslose Gemeindeartikel dient hingegen nur der Besänftigung.
Der Hauptpunkt in den Beratungen des Nationalrats heute ist die Revision des Mietrechts. Es geht in erster Linie um die Einführung der Formularpflicht und die Erhöhung der Transparenz. Einige Kantone kennen diese Formularpflicht schon (so auch Zürich), der Gebrauch ist überall unproblematisch. Die MieterInnen werden so vor missbräulichen Mietzinsaufschlägen geschützt. Der Nationalrat tritt aber gar nicht erst auf die Vorlage ein, der Hauseigentümerverband hat sich leider durchgesetzt. Die Vorlage geht jetzt in den Ständerat.
Am Nachmittag sind die Fraktionsausflüge angesetzt. Es giesst aus Kübeln, kann aber unsere Laune nicht trüben. Wir besuchen das Asyl-Testzentrum in Zürich. Der Besuch hinterlässt einen starken Eindruck bei mir, und es wurde sehr deutlich, dass die beschleunigten Verfahren ohne Rechtsberatung nicht zu verantworten wären.
Die zweite Woche, zweiter Tag (7. 6.)
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Der Morgen steht heute ganz unter dem Zeichen der Gesundheitsberufe. Mit dem vorliegenden Gesetzesentwurf soll die Qualität in den Gesundheitsberufen, die mehrheitlich an Fachhochschulen vermittelt werden, gefördert werden. Dazu werden gesamtschweizerisch einheitliche Anforderungen an die Ausbildung und Berufsausübung festgelegt. Ein längst fälliger Schritt!
Heute habe ich meine Premiere als Präsident der parteiinternen „Fachkommission für Frieden und Sicherheit“. Bin schon etwas nervös, schliesslich wissen die TeilnehmerInnen einiges mehr als ich, bin als Neuling in der Sicherheitspolitischen Kommission noch nicht allzu bewandert in diesen Themen auf nationaler Ebene. Wir besprechen die unserer Meinung nach gefährliche Aufweichung der Kriegsmaterialverordnung, welche der Bundesrat mit seiner skandalösen Bewilligung zur Kriegsmaterialausfuhr auf die Arabische Halbinsel im April dieses Jahres weiter vorangetrieben hat. Das Kriegsmaterialgesetz mit entsprechender Verordnung ist grundsätzlich gut und streng. Das nützt aber wenig, wenn der Bundesrat anfängt, es „kreativ“ zu interpretieren und eigene wirtschaftliche Interessen vor die Einhaltung der Menschenrechte stellt.
Die zweite Woche, erster Tag (6. 6.)
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Nach einem Abstimmungswochenende, das durchaus nach meinem Geschmack verlief (könnte mich also daran gewöhnen ;-)), ist heute die zweite Sessionswoche gestartet.
Die Sensation liefert gleich am Anfang der Ständerat: Er spricht sich gegen längere Ladenöffnungszeiten ab, damit ist das entsprechende Gesetz vom Tisch, weil keine Einigung zwischen National- und Ständerat zustande kam. In Zukunft können also weiterhin die Kantone entscheiden, wie sie ihre Ladenöffnungszeiten regeln, was meiner Meinung nach auch richtig ist.
Der Nationalrat beschäftigt sich wieder einmal mit der Unternehmenssteuerreform III, es geht um Differenzbereinigungen gegenüber des Ständerates. Leider bleibt der Nationalrat bei den meisten seiner unverschämten Steuergeschenken: Es soll keine Dividendenbesteuerung geben, dafür aber die zinsbereinigte Gewinnsteuer. Das Fuder wird so total überladen, die Gegenfinanzierung dazu aber fehlt völlig. Die Steuerausfälle wären enorm und auch nicht wirklich berechenbar, so wird die USR III wohl an die Wand gefahren. Dazu kann man nicht mit gutem Gewissen „Ja“ sagen... Die Vorlage geht nun wieder in den Ständerat
Die erste Woche, vierter Tag (2. 6.)
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Lange hat die Euphorie von gestern nicht angehalten. Der heutige Morgen bringt mich definitiv wieder auf den Boden der politischen Realitäten in diesem Land: Es geht heute um die Internationale Zusammenarbeit und Entwicklungshilfe. Die SVP verstrickt sich vollends in Widersprüche: Dauernd propagiert sie, dass mehr Hilfe vor Ort geleistet werden müsse und nicht mehr Geld fürs Asylwesen ausgegeben werden solle. Mit der durch die SVP beantragten Kürzung bei der Entwicklungshilfe passiert aber genau das Gegenteil davon. Aber diesen Widerspruch hat man sich ja schon gewohnt. Viel mehr beelend mich da die CVP, die bei diesem falschen Spiel nun munter mitspielt. So macht sie mit bei einem nebulös begründeten Rückweisungsantrag. Ich frage mich, wo denn das C im Parteinamen geblieben ist... Zum Glück haben keinerlei Rückweisungsanträge Erfolg. Zum Schluss folgt der Rat dem Antrag des Bundesrats, die Entwicklungshilfe wird auf 0,48% des BIPs angesetzt. Das ist in unsere Augen zwar zu wenig (0,7% wäre das UNO-Milleniumsziel), unter dem Strich sind wir aber froh, dass die diversen Kürzungsanträge von rechts keine Chancen hatten.
Damit endet die erste Sessionswoche bereits wieder, sie war sehr abwechslungsreich. Ich freue mich nun sehr, meine Familie wieder zu sehen!